Ein schöner Sommertag und auf geht's nach Realp für einen erlebnisreichen Ausflug in die Bergwelt und in die Vergangenheit der Schweizer Bergbahnen. Die HG 3/4 Nr. 4 mit Baujahr 1913 steht dampfend und rauchend am Bahnhof Realp bereit.
Die Zugbegleiter kümmern sich vorbildlich um die zusteigenden Passagiere. Jeder findet seinen reservierten Sitzplatz, sei es im geschlossenen oder im offenen Aussichtswagen direkt hinter dem schnaubenden Dampf-Ross. Lokführer und Heizer (beides natürlich ausgebildete Profis) machen den letzten Kontrollgang (oder auch nur ein kleiner Schwatz) bevor es losgeht Richtung Furka.
Die Loks und Reisewagen sind trotz ihres hohen Alters in ausgezeichnetem Zustand und werden liebevoll und bis in jedes Details von den freiwilligen Mitarbeitern im Depot Realp sowie in den Werkstätten in Chur und Aarau gepflegt.
Nach Verlassen des Bahnhofs Realp geht es zuerst vorbei an saftigen grünen Alpwiesen aber bereits recht steil mit eingekuppeltem Zahnradantrieb. Bald erreicht man die Zwischen-Station "Tiefenbach" auf 1849 m.ü.M. Sie ist unbedient und liegt nicht am öffentlichen Verkehrsnetz.
Weiter dampft's zur Station "Furka DFB", unmittelbar vor dem Scheiteltunnel. Wegen der winterlichen Lawinengefahr wurde das Gebäude vollständig in den Fels hinein gebaut. Zu Zeiten der Furka-Oberalp-Bahn war die Station bedient. Dienstraum und das kleine Restaurant "Im Berg" zeugen noch davon. 25 Minuten Aufenthalt erlauben eine kurze Einkehr.
Die historische Furka-Bergstrecke unterquert seit 1926 den Pass auf maximal 2160 m.ü.M. im 1874 m langen Scheiteltunnel.
Der Furkapass ist Teil der kontinentalen Wasserscheide zwischen Mittelmeer (Rhône) und Nordsee (Rhein) und trennt/verbindet das Goms im Wallis mit dem Urserental im Urnerland. Alte Säumerpfade und seit 1867 eine Strasse führen auf 2436 m.ü.M. über die Passhöhe.
Bereits geht's steil hinunter Richtung Gletsch. Der Blick zurück vermittelt einen einmaligen Eindruck des Rhône-Gletschers - oder auf das, was davon noch übrig geblieben ist.
Gletsch liegt auf einer Höhe von 1759 m unterhalb des Rhonegletschers, an der Verzweigung der 1865 und 1895 gebauten Passstrassen von Oberwald zu den Pässen Furkapass und Grimsel und wird nur in den Sommermonaten von Juni bis September bewohnt. Gletsch war einst ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt zwischen Wallis, Berner Oberland und dem Urnerland. Das Hotel "Glacier du Rhône" und das "Blaue Haus" sind noch heute Zeugen vergangenen Glanzes.
Am Nachmittag geht's auf gleichem Weg zurück und wir lassen die einzigartigen Eindrücke noch einmal - in umgekehrter Reihenfolge - auf uns wirken, bevor es wieder steil hinunter nach Realp geht.
Ein ereignisreicher Ausflug in die Vergangenheit und in die prächtige Bergwelt der Alpen geht zu Ende - bis zum nächsten Mal.
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Hans Jörg Klemenz, 12. Juli 2010