Grauverlaufsfilter
Allgemeines
Grauverlaufsfilter sind für Landschaftsfotografen ein unentbehrliches Hilfsmittel, um den meist zu hellen Himmel gegenüber dem meist zu dunklen Vordergrund abzudunkeln. Oft übersteigen die Lichtwertunterschiede den Belichtungsspielraum des Films (zu analogen Zeiten) oder des digitalen Sensors.
Liegen allerdings alle Bildelemente innerhalb des Belichtungsspielraums des Sensors (keine «abgesoffenen» Schatten und keine «ausgefressenen» Lichter), dann kann - im digitalen Zeitalter - ein Verlaufsfilter auch nachträglich in der digitalen Bildbearbeitung angewendet werden, um den Effekt des abgedunkelten Himmels zu erreichen.
Digitale Verlaufsfilter sind in den meisten Bildbearbeitungsprogrammen verfügbar, so auch in Photoshop und Photoshop Elements. Auch existieren eine Menge von Anleitungen, wie sie auf das Bild angewendet werden können. Die meisten Methoden haben aber gravierende Nachteile (zum Beispiel die gegenseitige Beeinflussung von Vorder- und Hintergrund). Die folgende Anleitung basiert auf Photoshop Elements 8.0 sowie auf Photoshop CS4 (etwas einfacher). Die Methode genügt professionellen Ansprüchen und ist trotzdem einfach in der Anwendung.
Voraussetzungen
Ich empfehle, grundsätzlich im RAW-Modus zu arbeiten; zu den Gründen mehr
in diesem Artikel.
Voraussetzung für die nachträgliche Anwendung eines Verlaufsfilter in der digitalen Dunkelkammer ist
ein richtig belichtetes Bild ohne ausgefressene Lichter und ohne abgesoffene Schatten.
Das liest sich leicht, ist aber gerade bei dieser Art von Landschaftsaufnahmen oft schwierig zu realisieren, da der Unterschied der Lichtwerte zwischen den weissen Wolken des Himmels und den dunklen Schatten des Vordergrundes meist recht hoch ist. Also im Zweifelsfall mit Belichtungsreihen ab Stativ arbeiten und die Resultate im Histogramm überprüfen. Ausgefressene Lichter sind in jedem Fall zu vermeiden.
Grundsätzliches Vorgehen
Das folgende Bild dient als Beispiel für die Beschreibung des grundsätzlichen Vorgehens. Es ist ein unbearbeitetes RAW-Bild aus der Sony Alpha 850 mit 17 mm Brennweite und Blende 11 vom Karlsturm des Grossmünsters in Zürich.
Das Bild ist ausgeglichen belichtet, wobei der ganze Belichtungsspielraum ausgenutzt ist. Dabei erscheint der Vordergrund zu dunkel während der Wolkenhimmel eindeutig zu hell und zu kontrastarm ist. Dies würde sich noch verschlimmern, wenn man nun einfach den Vordergrund mit einer Tonwertkorrektur aufhellen würde.
Wie ich im Artikel
«Bildvorbereitung» beschrieben habe, mache ich nun als erstes fundamentale Korrekturen, verzichte aber zum jetzigen Zeitpunkt auf alle Tonwert- oder Gradationskorrekturen:
- Reduktion resp. Entfernung des Bildrauschens, damit dieses in der späteren Bearbeitung nicht weiter verstärkt wird.
- Erstes Scharfzeichnen zum Ausgleich der Flauheit von Objektiven, Filtern und Sensoren
- Korrektur von perspektivischen und optischen Verzerrungen. Ausrichten von Horizontalen und Vertikalen Linien.
- Festlegung des Bildauschnittes durch Freistellung. Wahl des Hoch- oder Quer-Formats.
- Entfernen von Sensorflecken und anderer lokaler Bildfehler
Ausgangsbild:
Aus dem Ausgangsbild erzeuge ich zwei Bilder, welche ich getrennt nach Vorder- und Hintergrund vollständig bearbeite und optimiere - ohne Rücksicht auf den jeweils anderen Bildteil zu nehmen. Das heisst, dass bei der Optimierung des Vordergrundes (Stadtansicht) der Himmel (Hintergrund) vollständig ausfrisst. Dasselbe gilt sinngemäss für die Bearbeitung des Himmels (Hintergrund). Dieses Verfahren gibt mir die Gewähr, dass die Bearbeitungen eines Bildteils den anderen Bildteil nicht beeinflusst. Ausserdem kann ich ganz unterschiedliche Bearbeitungen vornehmen, zum Beispiel Kontraste und Schärfung für den Vordergrund anders gestalten als für die Wolkenbilder des Hintergrundes.
Vordergrund (Stadtansicht) optimiert:
Hintergrund (Himmel) optimiert:
Nach Abschluss dieser Arbeiten bleibt nichts mehr anderes zu tun, als die beiden Bilder im Bildbearbeitungsprogramm mittels einer Verlaufsfilter-Ebene oder -Maske zu kombinieren. Wie das am Beispiel Photoshop Elements 8.0 geht, erkläre ich im nächsten Abschnitt. Im weissen Bereich der Verlaufsebene erscheint das Vordergrundbild, im dunklen Bereich das Hintergrundbild. Im Übergangsbereich vermischen sich die beiden Bilder zu einem weichen Übergang.
Verlaufsfilterebene:
Unter Umständen sind mehrere Versuche notwendig, bis die richtige Position und Weichheit des Übergangs gefunden worden ist. Das Resultat sieht meiner Meinung nach wesentlich besser aus als das originale Ausgangsbild.
Und so sieht das Resultat aus:
Anmerkung: Selbstverständlich kann für die Kreation des Verlaufs jede andere Methode angewendet werden, zum Beispiel ein weicher Pinsel wenn der Horizont nicht gerade ist. Die Anwendung des Verlaufsfilters entspricht am ehesten dem Grauverlaufsfilter, welcher üblicherweise bei der Aufnahme als Filter vor dem Objektiv eingesetzt wird.
Grauverlaufsfilter mit Photoshop Elements 8.0
In diesem Abschnitt erkläre ich, wie der Einsatz eines Verlauffilters in Photoshop Elements 8 (und älter) funktioniert. Für Photoshop CS und PSE 9 geht es genau gleich, allerdings kann dort direkt mit einer Ebenenmaske gearbeitet werden, was die Sache ein bisschen einfacher macht.
Zuerst öffne ich beide gemäss obigem Abschnitt vorbereiteten Bilder und kombiniere sie als zwei verschiedene Ebenen (Vordergrund und Hintergrund). Ich gehe davon aus, dass der Leser weiss, wie das geht. Das sieht dann in der Ebenenpalette so aus:
Dann füge ich zwischen Vorder- und Hintergrund eine neue leere Ebene ein und deklariere die markierte Hintergrundebene als Schnittmaske (Menü «Ebene» -> «Schnittmaske erstellen» oder einfach «Ctrl+G»). Das sieht dann so aus:
Nun markiere ich die Verlaufsebene (wichtig) und wähle in der Werkzeugpalette das Verlaufswerkzeug aus:
Als Verlaufsfiltermethode wähle ich unter «Bearbeiten» die Auswahl
«Vordergrundfarbe zu Transparenz». Die restlichen Einstellungen lasse ich mal unberührt.
Nun bestimme ich mit der Maus den oberen Grenzpunkt, wo der Verlauf einsetzen soll, drücke die Maustaste und bewege den Mauszeiger mit gedrückter Maustaste senkrecht nach unten bis zum unteren Grenzpunkt des Verlaufs.
Nach loslassen der Mauszeigers wird in der leeren Verlaufsebene der gewählte Verlauf angezeigt und die beiden Bilder vereinigen sich zum gewünschten Resultat. Falls das Resultat noch nicht befriedigt, einfach den letzten Schritt rückgängig machen und nochmals versuchen. Die Inhalte der beiden Bildebenen werden dabei nicht verändert.
Das fertige Bild:
Viel Spass!