Reduktionen

Im Sommer 2005 gönnten wir uns eine Kreuzfahrt auf einem der legendären Hurtigruten-Schiffe von Bergen (Norwegen) nach Kirkenes und wieder zurück. Über diese angeblich schönste Seereise der Welt ist schon viel berichtet worden, so dass ich nichts beizufügen hätte. Eine Auswahl meiner Bilder von dieser aussergewöhnlichen Reise findet man hier.
Vielmehr beschäftigt mich eine ganz andere Frage: «Wie können die oftmals langweiligen Ansichten der Küstenlandschaften in ausdrucksstarke Bilder umgesetzt werden?»
Da die Schiffe entlang der Küste und zwischen den unzähligen Inseln hindurch verkehren und nur wenige Male über offene See, hat man eigentliche immer Sicht aufs Land. Dann steht man an Deck und ist beeindruckt von der vorbeiziehenden Landschaft Norwegens.
Und um ja nichts zu verpassen und alles einzufangen, drückt man ständig auf den Auslöser der Kamera. Wieder zu Hause, ist man ein wenig enttäuscht, dass die mitgebrachten Küsten-Bilder eigentlich immer gleich aussehen und die tatsächlichen Eindrücke der Reise (Mystik, Wind, Wellen, Meer, Berge usw.) nur ungenügend wiedergeben können – mit wenigen aussergewöhnlichen und wirklich gelungenen Ausnahmen.
Meist aber sind immer die gleichen Elemente sichtbar: oben Himmel mit Wolken; unten Wasser mit Wellen und in der Mitte hügelige bis bergige Küstenlandschaft. Zwischendurch auch mal ein Haus oder eine Siedlung. Was kann hier verbessert werden?

HJK_00958_20050814_161323.jpg

Was mich auf der ganzen Reise immer wieder fasziniert hat, war der mystische und geheimnisvolle Eindruck der zerfurchten Küsten bei mehr oder weniger schlechtem Wetter und misslichen Lichtverhältnissen. Ich will versuchen, den Weg zu beschreiben, wie ich diese Stimmungen umgesetzt habe.

Reduktion auf das Wesentliche

Selbstverständlich bietet sich hier das Panorama-Format an (zum Beispiel Verhältnis 3:1). Dies entspricht am ehesten dem natürlichen Blickfeld des Betrachters vom Schiff gegen die Küste. Das Zuviel an Himmel und Wasser wird konsequent weggeschnitten. Das wirkt schon viel konzentrierter auf die wesentlichen Bildelemente, nämlich die wilden, nebelverhangenen Bergspitzen -- ausgezeichnete Verstecke für die geheimnisvollen norwegischen Trolle.

HJK_00958_20050814_161323_3.jpg

Farbe ist in unserem Fall kein gestalterisches Element und hat deshalb hier nichts zu suchen. Also: Umwandlung in Graustufen. Es gibt viele schlechte und gute Möglichkeiten, das zu tun. Ich verwende in Photoshop CS4 ausschliesslich die Methode «Korrekturen – Schwarzweiss» und in Lightroom die Methode «Graustufen – Kanalanpassung». Diese erlauben mir die feinsten Einstellmöglichkeiten.

HJK_00958_20050814_161323_4.jpg

Nun gilt es noch die üblichen Feinanpassungen wie Tonwertkorrektur, Kontrastanpassungen etc. vorzunehmen. Falls notwendig, müssen mit Hilfe von Photoshop-Masken einzelne Bildteile selektiv bearbeitet werden. In unserem Beispiel Aufhellung der Schatten im Küstenbereich sowie eine leichte Kontraststeigerung im Bereich des Himmels und des Wassers. Ich finde das Resultat viel überzeugender und aussagekräftiger als der einfache Schnappschuss von der Küste.

HJK_00958_20050814_161323_2.jpg

Hier noch einige weitere Beispiele:

HJK_00656_20050809_083553_2.jpg

HJK_00960_20050814_161416_2.jpg

HJK_00965_20050814_170015_2.jpg

HJK_02406_20050807_093330_C27.jpg


Die ganze Serie “Küstenimpressionen aus Norwegen” findet man in meiner Fotogalerie.