Projekte
Motivation
Lange überlegte ich mir, was für Foto-Projekte ich als nächstes angehen soll. Welches Thema? Landschaften, Architektur, Berge, Makros usw.? Das alles sind Themen, welche sich in der nächsten Zeit situationsbedingt aufdrängen werden. Wenn ich in die Berge gehe, wird das Thema wohl «Landschaften im Gebirge» sein (und nicht «Architektur») oder bei einer anstehenden Reise wird «Reportage» im Vordergrund stehen (und nicht «Makro-Fotografie»).
Nein, ich trage mich mit dem Gedanken, Themen als Projekte aufzugreifen, welche meine Fähigkeiten und Erfahrungen als Fotograf verbessern helfen. Das sind Aspekte der Fotografie aus den Bereichen Bildgestaltung, Farben- und Kontrastlehre, Formenlehre, Emotionale Wirkung von Bildern usw. Dazu definiere ich eine Liste mit fotografischen Aspekten, welche ich dann einzeln als Projekte angehen und realisieren möchte. Als Resultat soll von jedem Projekt (das heisst zu jedem ausgewählten Aspekt ein entsprechendes Portfolio vorliegen.
Fotografische Aspekte
Im Folgenden möchte ich auf die einzelnen Aspekte kurz eingehen und erläutern, was ich darunter verstehe und was ich mit ihnen zu tun gedenke.
Farben
Ohne Zweifel ist Farbe ein guter Start für dieses Vorhaben. Üben doch die Farben eines Bildes den grössten Eindruck eines Bildes auf den Betrachter aus. Viele populäre Motive sind Sonnenuntergänge oder Blumen und diese betören den Betrachter vor allem durch die entsprechenden Farben. Um die Wirkung von Farben richtig einzusetzen ist es wichtig, die verschiedenen Eigenschaften von Farben ein bisschen näher kennen zu lernen.
- Farb-Wert (Hue)
Dies ist der eigentliche Farbwert (rot, grün, blau usw.). Technisch gesehen handelt es sich um die Wellenlänge des Lichtes. Die ist mit Abstand der wichtigste Faktor, weil der Mensch Farben physikalisch unterschiedlich wahrnimmt und auch emotional unterschiedlich interpretiert. Zum Beispiel ist das menschliche Auge für Rot (ca. zwei Drittel) viel empfindlicher als für Grün (ca. ein Drittel) oder gar für Blau (nur ca. 1 %). Ausserdem empfinden wir Farben die Rot oder Gelb enthalten als warm hingegen Farben die blau enthalten als kalt. Der Fotograf muss also die Wirkung von Farben einschätzen können, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen.
- Farb-Sättigung (Saturation)
Die Farb-Sättigung beschreibt die Reinheit der Farbwerte. Ein voll gesättigtes Rot erscheint für den Betrachter sehr intensiv, während ein weniger gesättigtes als ausgewaschen oder gar gräulich erscheint.
- Farb-Kontrast (Contrast)
Darunter verstehen wir die Intensität des Kontrastes zwischen benachbarten Farben in einem Bild. Der richtige Einsatz von Farbkontrasten ist wohl eines der effektivsten Mittel um starke und aussagekräftige Bilder zu machen.
Zielsetzung
Durch gezielte Kontrolle von Farb-Werten, Farb-Sättigung und Farb-Kontrast die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Bild zu lenken.
Tonale Kontraste
Zusammen mit den Farben sind es die tonalen Kontraste, welche grosse Aufmerksamkeit erregen. Und allen voran stimulieren natürlich die starken Kontraste zwischen Hell und Dunkel am stärksten.
Aber starke Kontraste in einem Bild müssen gezielt eingesetzt werden. Vor allem zwei Prinzipien sind dabei zu beachten:
- Der positive Bereich (das Hauptmotiv) soll starke Kontraste aufweisen.
- Alle anderen Bereiche (die negativen Bereiche) sollen eher schwache Kontraste aufweisen.
Damit wird die Aufmerksamkeit des Betrachters sofort auf das Hauptmotiv gelenkt. Das Fehlen starker Kontraste im negativen Bereich des Bildes hilft Ablenkungen vom Hauptmotiv zu vermeiden.
Selbstverständlich gibt es natürlich Ausnahmen, welche die Regel bestätigen, insbesondere dann, wenn durch zwei oder gar mehrere Hauptmotive die Spannung im Bild gesteigert werden möchte.
Zielsetzung
Durch Steuerung der Kontraste soll der wichtigste Teil eines Bildes gezielt in den motivischen Mittelpunkt geführt werden.
Ausgewogenheit
Fotografen versuchen intuitiv, ihre Bilder ausgewogen zu gestalten. Ausgewogene Bilder erscheinen dem Betrachter harmonisch, man fühlt sich komfortabel und wohl.
Ausgewogenheit beinhaltet verschiedene Aspekte, welche es zu beachten gilt:
- Komposition
Ausgewogenen Kompositionen sind solche, welche nicht durch ungewöhnliche oder ungewohnte Bildschwerpunkte auffallen. Selbstverständlich sind symmetrische Bildkompositionen in der Regel immer ausgewogen. Es gibt aber auch andere und meist bessere Gestaltungsmöglichkeiten mit asymmetrischen Schwerpunkten. Zum Beispiel die Drittelregel, der Goldene Schnitt, Diagonalen usw.
- Farben
Die Farben in ausgewogenen Bildern sind harmonisch. Die Farben vertragen sich und wirken nicht gegenseitig störend.
- Tonale Kontraste
Starke und schwache Kontraste sollen sich am übrigen Bildaufbau orientieren. Hauptmotive aber eher starke Kontraste und Nebenmotive und Hintergründe eher schwache Kontraste.
Zielsetzung
Durch Komposition, Farben und Kontraste sollen harmonisch ausgewogene Bilder gestaltet werden.
Spannungen
Nicht immer ist es wünschenswert, ausgewogene und harmonische Bilder zu komponieren. Oft wollen wir, das das Bild beim Betrachter Spannung und Staunen erzeugt. Solche Bilder erschliessen sich oft erst beim zweiten Betrachten. Es gibt verschiedene Mittel, um Spannungen zu erzeugen: Linien, tonale Kontraste und Unausgewogenheit.
- Linien
Linien und Kurven, welche das Bild durchlaufen, erzeugen Spannung. Sie lenken den Blick des Betrachters durch das Bild. Insbesondere interessant sind Linien, welche von aussen in das Bild hineinlaufen.
- Tonale Kontraste
Harte Kontraste, besonders wenn das Bild mehrere Motivteile mit harten Kontrasten aufweist. Der Blick des Betrachters springt von einem Bildteil zum anderen und wieder zurück, damit wird Spannung erzeugt.
- Unausgewogenheit
Ungewohnte Asymmetrien und Motivanordnungen können ebenfalls Spannungen erzeugen, dieses Gestaltungselement muss allerdings sehr vorsichtig und gekonnt eingesetzt werden.
Zielsetzung
Durch den Einsatz von Linien, Kontrasten sowie dem Einsatz ungewohnter Motivanordnungen sollen spannungsreiche Bilder gestaltet werden.
Blaue Stunden
Jeder Fotograf weiss, dass die frühen Morgenstunden sowie die späten Abendstunden besonders interessante Bilder liefern. Dann hat das Licht ganz spezielle Eigenschaften und die langen Schatten gewährleisten schön strukturierte Oberflächen und viel Raum und Tiefe. Eine besondere Herausforderung sind die wenigen Stunden kurz bevor und und kurz nachdem die Sonne auf- beziehungsweise untergegangen ist. Wir nennen das die blauen Stunden.
Die Farbtemperaturen des blauen Himmels erreichen 9'000 - 12'000 K, dadurch entsteht - meist zusammen mit künstlich beleuchteten Objekten eine einzigartige Ausstrahlung. Der genaue Zeitpunkt der blauen Stunden kann speziellen Tabellen entnommen werden.
- Wikipedia
«Die Blaue Stunde wird für sogenannte Available-Light-Aufnahmen und die Nachtfotografie genutzt. Gegenüber Aufnahmen bei absoluter Dunkelheit ist dadurch auch die Umgebung leicht erhellt und somit besser sichtbar, die Kontraste zwischen Hell und Dunkel sind abgemildert und die Bilder weisen eine interessante Stimmung auf. Die Tatsache, dass die Beleuchtung innerhalb von Gebäuden in den fotografisch gleichen Kontrastumfang der nicht künstlich beleuchteten Fassade und Umgebung rückt, und der Farbkontrast zur Straßenbeleuchtung und Gebäudebeleuchtungen bieten fotografische Anreize. Die unterschiedlichen Farbtemperaturen (Blau des Himmels, Orange der Glühbirnen, Türkis der Leuchtstoffröhren) machen solche Fotos ungewöhnlich bunt. Dieser Effekt wird durch die notwendige lange Belichtungszeit noch verstärkt.»
Zielsetzung
Die besonderen Lichtverhältnisse am frühen Morgen und am späten Abend sollen für aussergewöhnlich stimmige Aufnahmen genutzt werden.
Chiaroscuro
Der Begriff stammt aus der Malerei und bedeutet hell-dunkel. Dieses Gestaltungsmittel zeichnet sich aus durch ausgeprägte Hell-Dunkel-Kontraste, welche sowohl der Steigerung der Räumlichkeit als auch der des Ausdrucks dient. In der Fotografie entspricht diese Technik dem gezielten Umgang mit hohen Kontrasten und sog.
low-key-Aufnahmen.
- Hohe Kontraste
Das Licht wird so positioniert und gerichtet, dass nur bestimmte Teile des Bildes - im speziellen natürlich das Hauptmotiv - beleuchtet werden, der Rest liegt quasi im Dunkeln. Damit werden drei Dinge erreicht:
-
- Die Aufmerksamkeit wird auf die hellen Bildteile gelenkt,
- unwichtige Details verschwinden in der Dunkelheit,
- der Eindruck räumlicher Tiefe mit viel Dramatik entsteht.
- low-key
Da nur wenige Elemente des Bildes wirklich hell beleuchtet sind, basiert das Gesamtbild eigentlich auf dunklen Tonwerten (low-key). Dadurch entstehen wirkungsvolle, oft auch melancholische Stimmungen.
Meist wird für diese Art Bilder Kunstlicht und/oder Blitzlicht eingesetzt, da es sich am einfachsten steuern und kontrollieren lässt. Chiaroscuro-Aufnahmen mit natürlichem Licht sind hingegen eine Herausforderung und auch ein Geduldsspiel.
Zielsetzung
Durch gezielte Führung des Lichtes sollen ausgeprägte Helldunkel-Bilder entstehen, welche den Blick auf das beleuchtete Hauptmotiv lenken.
Stimmungen
Stimmungen sind immer ein sehr gutes Mittel für ausdrucksstarke Bilder. Stimmungen wecken Emotionen, der Betrachter fühlt sich zum Bildinhalt hingezogen (oder auch abgestossen). Stimmungen lassen sich mit verschiedenen Mitteln erzeugen resp. darstellen. Die beiden wichtigsten sind Licht und Wetter.
- Licht
Licht hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Stimmung. Licht um die Mittagszeit erzeugt in der Regel harte Lichter und Schatten und dadurch auch harsche manchmal sogar bedrohliche Stimmungen. Auf der anderen Seite erzeugt das Licht des Morgens und des Abends weichere Strukturen und Schatten und somit auch wesentlich angenehmere und komfortablere, oft auch romantische Stimmungen.
- Wetter
Insbesondere rauhe Wettersituationen, wie Regen- und Schneeschauer, drohende Gewitterwolken usw. sind prädestiniert, um intensive Stimmungen zu erzeugen. Vor oder nach einem Sturm oder Gewitter bieten sich die besten Möglichkeiten, stimmungsvolle Bilder zu machen. Allerdings muss der Fotograf dann auch willens sein, nach draussen zu gehen.
Stimmungsvolle Bilder setzen eine gewisse Planung voraus. Erst muss die gewünschte Stimmung definiert werden und dann die passenden Wetter- und Lichtverhältnisse gewählt werden. Dann entscheidet der richtige Augenblick und etwas Glück über Erfolg oder Misserfolg.
Zielsetzung
Bei verschiedenen Licht- und Wetterverhältnissen sollen stimmungsvolle Landschaftsbilder gestaltet werden.
Spiegelungen
Spiegelungen sind eine wahre Fundgruben für gute Bilder. Die meisten Spiegelungen in der Fotografie basieren auf Reflexionen in Glas oder Wasser.
- Glas
Meist ein Thema der Architekturfotografie in Städten oder an einzelnen Gebäuden mit Glasfronten. Aber auch Stillleben mit spiegelnden Objekten können reizvolle Themen sein. Mitentscheidend ist dabei die Oberflächen-Beschaffenheit des Glases in welchem sich andere Objekte spiegeln. Der Vielfalt sind hier keine Grenzen gesetzt.
- Wasser
Das Fotografieren von Wasser-Spiegelungen in der Landschaft oder in bewohntem Gebiet vermittelt eine Menge Freude und Spass. Bäume, Wälder oder gar Berge, welche sich in Seen spiegeln finden immer wieder begeisterte Betrachter. Auch hier entscheidet die Oberfläche des Wassers über den Effekt des Bildes. Ein spiegelglatter Bergsee ist genau so faszinierend wie Spiegelungen in leicht gewelltem Wasser.
Zielsetzung
Interessante Spiegelungen in der Architektur- und Landschaftsfotografie sollen gekonnt in Szene gesetzt werden ohne in bekannte Klischees zu verfallen.